Jaufenpass vollgas!
Diese Passseite kannte ich nicht – und das nach Jahren als Schlusswagen beim Ötztaler Radmarathon.
Eigentlich wollte ich daheim bleiben. Der Wetterbericht war eine Katastrophe. Wolken, Regen, grau in grau – das Übliche wenn man sich auf einen Tag freut. Aber dann hab ich doch den Buzz genommen, die Bergi aus dem Winkel gezogen und gesagt: Schau ma mal. Gott sei Dank.
Denn was dann kam, war einer der schönsten Tage dieser Saison.


Eine Richtung die ich nie gefahren bin
Ich bin seit Jahren beim Ötztaler Mopedmarathon dabei – als Schlusswagen, als Fahrer, als einer der Letzten die den Pass runterrollen wenn alle anderen schon längst beim Bier sitzen. Ich bin den Jaufenpass zigmal gefahren. Aber immer von der anderen Seite. Immer die Ostrampe rauf von Sterzing und die Westrampe runter nach St. Leonhard. Die Westrampe von St. Leonhard rauf – die kannte ich nicht. Noch nie. Das ist der Unterschied den man nicht sieht wenn man nur auf die Karte schaut.
St. Leonhard im Passeiertal, 688 Meter. Hier fängt der Spaß an.
Im zweiten Gang. Den ganzen Weg.
15 Kilometer. 750 Höhenmeter. Und die Bergi hat keinen einzigen Gang mehr gebraucht als den zweiten. Den. Ganzen. Weg. Das klingt unglaublich und ist es auch – wer schon mal mit einem 50ccm Zweitakter einen Alpenpass raufgeknattert ist, der weiß was das bedeutet. Normalerweise schleppt man sich im ersten Gang durch die letzten steilen Kehren, der Motor heult, der Fahrer schwitzt, und irgendwann fragt man sich warum man das eigentlich macht.
Nicht heute. Die Westrampe des Jaufenpasses hat eine wunderbar ausgeglichene Steigung. Keine brutalen Rampen, keine Schikanen – einfach gleichmäßig rauf. Genau das richtige Terrain für die Bergi. Zweiter Gang, Vollgas, und die Straße läuft weg unter einem. So soll das sein.


Wald, Wiesen, Wald, Wiesen – die Strecke wechselt ständig und gibt dir immer wieder neue Ausblicke ins Tal tief unter dir. Das Passeiertal liegt irgendwann so weit unten, dass man kurz vergisst dass man auf einem 50ccm Moped sitzt. Kurz.


Die Edelweißhütte – komplett neu und sensationell
Oben angekommen wartet die Edelweißhütte – und die ist nicht mehr die die ich in Erinnerung hatte. Komplett neu gebaut. Sensationell geworden. Das Kuchenbuffet – atemberaubend wie immer, das hat sich Gott sei Dank nicht verändert – wartet jetzt auf gleich mehreren Aussichtsterrassen auf einen. Nicht eine Terrasse. Terrassen. Mit Panorama in alle Richtungen. Passeiertal auf der einen Seite, Texelgruppe auf der anderen. Wenn das der Wetterbericht gewusst hätte, er hätte sich schämen müssen.






Zwei Begegnungen die man nicht plant
Der Jaufenpass zieht Menschen an. Das merkt man schnell.
Ein Rentnerpärchen aus der Nähe von Southampton – mit ihrem Wohnmobil quer durch die Alpen. Sie hatten sofort ein Auge auf die Bergi geworfen und wollten unbedingt ein Foto machen. Mit ihr. Klar. Wer würde das nicht wollen? Ein kurzes Gespräch, ein Lachen, ein Foto das irgendwo in England auf einem Handy schlummert und hoffentlich noch lange Freude macht. Wenn ihr das lest: Grüße zurück, und gute Reisen weiterhin! 🙏 Wer ihre Reisen verfolgen möchte – @turnerstours auf Instagram.


Und dann noch ein Radfahrer. Seinen Namen hab ich leider vergessen – er hat ihn mir gesagt, aber nach dem zweiten Gang bergauf behält man nicht alles. Was ich nicht vergessen habe: 12 Mal Ötztaler Radmarathon. Zwölfmal. 238 Kilometer, über 5.500 Höhenmeter, eines der härtesten Radrennen der Welt. Er stand da am Pass, entspannt, und hat sich aufrichtig über die Bergi gefreut. Dann hat er gesagt: „Weißt du was? Der Zweitaktgeruch ist für mich wie Parfum.“ Mir geht es genauso.
Und als ob das nicht reicht: Er trainiert gerade für einen Ultra 1500. Weil er Bock drauf hat. Einfach so. Ich mag Leute mit so einem Mindset. Heros.
Am Gipfel. 2.094 Meter.
Oben stehen, Helm ab, durchatmen. Der Jaufenpass auf 2.094 Metern. Die Bergi parkt neben dem Schild, als wäre es das Normalste der Welt. Ist es ja auch – für sie.


Die Bergi kennt hier schon jeder
Was mich jedes Mal aufs Neue freut: Wir werden begrüßt. Herzlich, spontan, von Menschen die uns kennen – oder die die Bergi kennen, was auf dasselbe hinausläuft. Ein Winken hier, ein Daumen rauf dort, ein „He, ich kenn euch vom YouTube!“ – die Fanbase wächst. Von Tag zu Tag. Das spürt man am Pass genauso wie unten im Tal. Die Bergi hat etwas das Menschen anzieht. Vielleicht der Klang. Vielleicht der Geruch. Vielleicht weil sie einfach so verdammt ehrlich ist.
Ende Juni knattern hier Hunderte
Ende Juni ist der Jaufenpass für einen Tag ein ganz besonderer Ort. Dann rollt der Ötztaler Mopedmarathon durch – hunderte Mopeds, Zweitakt-Konzert auf 2.094 Metern, Geruch nach Gemisch und Benzin und Abenteuer. Wer das noch nicht gesehen hat: einplanen. Das ist ein Spektakel das man so schnell nicht vergisst.
Und für die Insider unter euch: Sollen wir vielleicht eine Cremeschnitte vorbestellen? Wer weiß wovon ich rede, der weiß es. Walter Sedlmayer lässt grüßen. Sensationell.
Was der Buzz dazu sagt
Während die Bergi den Pass geknattert ist, hat der ID. Buzz GTX als Basecamp in St. Leonhard gewartet. Der Weg von Obergurgl nach St. Leonhard und zurück übers Timmelsjoch – 84,2 Kilometer, 2.897 Höhenmeter in beide Richtungen – hat er mit 22,05 kWh erledigt. Das entspricht ungefähr 2,55 Litern Benzin – dem Energiegehalt nach. Die Ladekosten am Ionity-Schnelllader: EUR 8,60.
Ein normales Auto bräuchte auf dieser Passstraße locker 15 Liter pro 100 Kilometer – macht 12,63 Liter für die Strecke, bei 2,00 Euro pro Liter also EUR 25,26. Fast dreimal so viel. Und das beim teuersten Schnelllader Europas.
Die Bergi übrigens? Hat diesmal kein einziges Gramm Benzin bekommen. Die hatte noch genug.
Obergurgl – St. Leonhard – Obergurgl übers Timmelsjoch | 84,2 km | 2.897 Hm
🔋 ID. Buzz GTX 22,05 kWh = EUR 8,60 (Ionity, 0,39 EUR/kWh)
⛽ Verbrenner (15L/100km) 12,63 L = EUR 25,26 (2,00 EUR/L)
✅ Ersparnis: EUR 16,66 – fast 3x günstiger. Beim teuersten Schnelllader Europas.
Kilometerstand: 20.164 – 20.209
45 Kilometer für die Bergi. Die Westrampe rauf zum Pass, die Westrampe wieder runter nach St. Leonhard. Im zweiten Gang. Den ganzen Weg rauf.
Manchmal muss man einfach fahren – auch wenn der Wetterbericht Nein sagt.
Das Video zum Tag
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People of Jaufenpass
Drei Begegnungen auf der Passhöhe. Ein Kumpel im Knast, ein Rentnerpärchen aus Southampton, und ein Radfahrer dem Zweitakt riecht wie Parfum.