The Silent and the Smoker — zwei Maschinen, eine Leidenschaft, die höchsten Pässe der Alpen. 🔔 Abonnieren lohnt sich!
Es gibt Pässe, die schlafen. Ruhige Straßen, nette Kurven, ein Gasthof oben, Foto, weiter. Und dann gibt es Pässe, die einen anschauen als wären sie nicht sicher ob du das ernst meinst.
Der Plöckenpass schaut so.
14. Juni 2026. Timau, Italien. Die Bergi steht auf der Straße, der Tank ist — ich sag’s kurz — etwas enthusiastisch befüllt worden. Zu enthusiastisch. Benzin läuft über den Tankdeckel, über die Hose, auf die Straße. Erste Regel die ich mir für den Rest des Sommers merke: Man tankt nicht bis zum Überlaufen. Klingt simpel. War es nicht.
Alexandra und der Buzz sind längst weg. Die fahren vor, wie immer. Während ich noch dastehe und mir die Hose betrachte, verschwinden die roten Rücklichter des ID. Buzz irgendwo im Berg.
Gut. Dann los.

Eine Straße die eigentlich nicht existieren sollte
Der Plöckenpass — auf Italienisch Passo di Monte Croce Carnico — verbindet seit Jahrhunderten das Kärntner Gailtal mit dem friulanischen Karnien. Römer haben hier marschiert. Händler im Mittelalter. Im Ersten Weltkrieg wurde an diesen Hängen gekämpft, oben gibt es noch heute Gedenkstätten und ein Freilichtmuseum das daran erinnert dass hier echte Menschen gestorben sind.
Aber das ist nicht der Grund warum der Pass gerade wieder in aller Munde ist.
Am 2. Dezember 2023 ist ein Teil des Berges einfach weggegangen. 40.000 Kubikmeter Fels. Vom Berg auf die Straße. Ein Tunnelportal zerstört, die Straße unter Geröll begraben. Keine Verletzten — aber die Verbindung zwischen Friaul und Oberkärnten: weg. Gesperrt. Bis April 2025.
Und das ist erst die Hälfte der Geschichte: Im Januar 2026 kam es nochmal zu Steinschlägen. Die Straße nochmal zu. Frühling 2026 Wiedereröffnung. Jetzt, im Juni, fährt man wieder drüber.
Ich fahr am 14. Juni drüber. Mit kurzer Hose. Ohne Führerschein. Das ist legal — die Bergi braucht keinen.

Durch den Berg statt um ihn herum
Was einen sofort packt: die Straße verschwindet im Berg. Nicht metaphorisch — sie geht buchstäblich in den Fels rein. Tunnel. Dann wieder raus. Dann wieder rein. Die Kurven machen dabei nicht Pause, nur weil es plötzlich dunkel ist. Man fährt eine Kehre und merkt erst nach zwei Sekunden dass man dabei in einem Tunnel war.

Auf der Abfahrt, auf der österreichischen Seite, geht es durch mehrere Tunnel. Steil, dunkel, eng — und bergab. Im Tunnel zeigt der Tacho 65 km/h. Weiter dreht der Zeiger nicht. Das ist Maximum. Das ist alles was die Bergi hat. Und es ist genug — denn wenn man mit 65 bergab durch einen Bergtunnel schießt, auf einer Straße die gerade erst vor ein paar Monaten wieder aufgemacht hat, dann ist das kein Spaziergang. Das ist Vollgas.
Draußen wieder: Kehren. Nicht viele, aber steile. Ø 5,3% auf der Auffahrt von Timau, maximal 13%. Das klingt nicht nach viel. Fährt sich aber.

Windräder auf der Passhöhe
Oben, auf 1.357 Meter Seehöhe, erwartet einen — nun ja. Windräder.
Ich hab kurz innegehalten. Nicht wegen der Erschöpfung — die Bergi hat keine Erschöpfung, die fährt einfach weiter — sondern wegen dem Anblick. Windräder auf einem Alpenpass. Die drehen sich. Die stehen da und machen Strom.
Ob einem das gefällt oder nicht — das ist eine Diskussion die ich ehrlich gesagt nicht führen möchte, weil sie keinen Sinn ergibt. Wir wollen eine Energiewende. Wir werden sie sehen. An den Hängen, auf den Pässen, in den Tälern. Die Alternative wäre keine Energiewende — und die gefällt mir noch weniger. Die Netze gehören ausgebaut, die Infrastruktur muss mitwachsen, das geht nicht von heute auf morgen. Aber wir sind auf einem guten Weg.
Ich fahr weiter.

Das Schild das ich noch nie gesehen habe
Kurz unter der Passhöhe: ein Warnschild. Herabfallendes Eis.
Nicht Steinschlag. Nicht Lawinen. Eis. Das von oben fällt.
Ich hab einen Moment gebraucht. Dann hab ich das Foto gemacht. So ein Schild hab ich in meinem Leben noch nie gesehen — und ich fahr seit Jahren durch die Alpen. Das ist neu. Das ist dieses Gebirge das sich verändert, das auftaut, das Dinge passieren lässt die früher nicht passiert sind. Und gleichzeitig ist es einfach ein Schild das einen warnt. Gib Acht. Hier oben kann was fallen.
Ich geb Acht.

Abfahrt und gelbe Streifen
Die Nordrampe runter — Richtung Kötschach-Mauthen — ist steil. Wirklich steil. Die Bergi beschleunigt bergab wie sie bergauf nicht kann, und die Tunnel auf der Abfahrt sind enger, dunkler, kürzer. Superschnell geht das. Die Telemetrie hat auf der Abfahrt durch die Tunnel ausgesetzt — kein GPS-Signal unter dem Fels — also hab ich keine exakten Zahlen. Aber ich weiß wie es sich anfühlt.
Und dann: die Mittelstreifen.
Gelb.
Ich bin kurz gestutzt. Gelbe Fahrbahnmarkierungen. In Österreich. Wer in einem gewissen Alter ist weiß sofort: das war vor dem EU-Beitritt. Österreich ist 1995 der EU beigetreten, seitdem sind die Streifen weiß. Diese Straße hier — die hat in manchen Abschnitten noch ihre alten Streifen. Gelb. Als Erinnerung an eine andere Zeit.
Dass ich das hier überhaupt sehe, liegt auch am Bergsturz. Nach der Wiedereröffnung 2025 wurde geflickt, repariert, gesichert — aber nicht alles neu gemacht. Manche Dinge sind geblieben wie sie waren.

Premiere: erste Regentropfen
Irgendwo zwischen Passhöhe und Kötschach-Mauthen: ein paar Spritzer. Regen. Das erste Mal bei The Silent and the Smoker dass überhaupt Wasser vom Himmel kommt.
Es war nicht dramatisch. Es waren ein paar Tropfen, dann war es wieder trocken. Ich hab’s zur Kenntnis genommen, die Bergi hat nicht einmal reagiert. Wir fahren weiter.
Kurze Hose. Nasse Hose von vorhin wegen dem Tank. Paar Regentropfen drauf. Das macht den Kohl auch nicht mehr fett.
Was der Plöckenpass ist
Es gibt Pässe die sind schön. Es gibt Pässe die sind technisch anspruchsvoll. Und dann gibt es Pässe die haben eine Geschichte — eine echte, schwere, in den Fels gemeißelte Geschichte — und die spürt man.
Der Plöckenpass ist ein Pass der sich nicht einfach so fahren lässt. Der hat in den letzten zwei Jahren mehr erlebt als manche Straße in einem Jahrzehnt. Der war weg. Abgeschnitten. Und jetzt ist er wieder offen — mit neuen Sicherheitsbarrieren, Überwachungssystemen, reparierten Tunnelportalen — und irgendwie wirkt er dadurch noch robuster als vorher.
Sensationell was die Menschen hier gebaut haben. Immer wieder. Über Jahrhunderte. Durch Fels, über Bergsturz, durch Krieg und Katastrophe. Die Straße existiert. Man fährt drüber.
24 Kilometer. Eine Stunde. Kein Tankstopp — der Tank war sowieso schon voll genug für den Rest des Tages.
Das Video
Zahlen, Daten, Fakten — weil Nerden erlaubt ist
Die Runde: Timau (Friaul, IT) → Plöckenpass (1.357 m) → Kötschach-Mauthen (Kärnten, AT)
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Tacho-Distanz | 24 km |
| Kilometerstand Abfahrt | 20.879 km |
| Kilometerstand Ankunft | 20.903 km |
| Höhenmeter (Auffahrt Timau) | ~532 Hm |
| Fahrzeit gesamt | ~1h 00min |
| Topspeed | 65 km/h (Tunnel, Abfahrt) |
| Tankstopps | keiner (Tank bereits übervoll) |
🤓 Nerddetail: Die Telemetrie hat auf der Abfahrt durch die Tunnel ausgesetzt — kein GPS-Signal unter dem Fels. Exakte Streckendaten daher nicht verfügbar.
| Zündapp Bergsteiger | VW ID. Buzz GTX | |
|---|---|---|
| Antrieb | Benzin + 2T-Öl | Batterie-elektrisch |
| Leistung | ~3 PS | 340 PS |
| Verbrauch/100 km | ~3,0 Liter* | ~24 kWh (brutto) |
| Rekuperation | – | -18% (~532 Hm bergab) |
| Kraftstoff gesamt | ~0,72 L Benzin* | ~4,72 kWh (netto) |
| 2-Takt-Öl 🤓 | ~14 ml (ab Lager)* | – |
| Tankstopps | keiner | – |
| Energiekosten gesamt | ~EUR 1,19* | ~EUR 1,84 |
| Preis pro 100 km | ~EUR 4,95* | ~EUR 7,68 |
| Ladepreis Referenz | – | EUR 0,39/kWh (Ionity) |
| CO₂ direkt | ~1,7 kg* | 0 kg |
| CO₂ inkl. AT-Strommix | ~1,7 kg* | ~0,61 kg |
* Geschätzte Werte — exakte Nerddaten nicht verfügbar (Tank übervoll, kein Tankstopp)
Buzz-Kosten auf Basis Ionity EUR 0,39/kWh. Rekuperation bergab (~532 Hm) mit -18% eingerechnet. Zu Hause laden EUR 0,20–0,35/kWh wäre nochmals günstiger.
AT-Strommix 2024: ~130g CO₂/kWh (Quelle: E-Control).
🏆 Kurzstrecken-Sieger: das uralte Moped.
EUR 1,19 gegen EUR 1,84 — auf 24 km gewinnt die Bergi.
Auf langen Alpenrunden dreht sich das Bild: mehr Kilometer, mehr Rekuperation, günstiges Laden zuhause. Aber heute? Heute gewinnt das 50cc Moped aus den 70ern gegen 340 PS Elektro.
The Silent and the Smoker — zwei Maschinen, eine Leidenschaft, die höchsten Pässe der Alpen. 🔔 Abonnieren lohnt sich!