50cc auf der Kaunertaler Gletscherstraße

The Silent and the Smoker – zwei Maschinen, eine Leidenschaft, die höchsten Pässe der Alpen. Heute: die Kaunertaler Gletscherstraße. 2. Mai 2026.

Es gibt Orte, die man nie vergisst. Nicht weil sie besonders laut sind, sondern weil sie sich festkrallen. Irgendwo zwischen den Kehren, dem Gletscherwasser und dem Geruch von einem Skibus, stinkenden Skischuhen und Sommerferien. Die Kaunertaler Gletscherstraße ist für mich so ein Ort.

Zappadello Bar Feichten Kaunertal
Die Zappadello Bar in Feichten – früher Hotspot, heute patiniert

Ich war zuletzt hier als Sechzehn- oder Siebzehnjähriger. Skilehrer-Anwärterausbildung. Der Bus fuhr um fünf Uhr früh los – weil es um elf Uhr schon Wasserskifahren gab und der Gletscher dazwischen lag. Und zwischen uns und dem Gletscher lag noch die Zappadello Bar in Feichten. Damals der örtliche Hotspot – heute sieht man ihr den Zahn der Zeit deutlich an. Ein bisschen räudig, ein bisschen patiniert. Aber irgendwie gehört das unbedingt dazu. Wer da damals reingestolpert ist, der weiß definitiv, warum es zu einer Hass/Liebe mit dem fünf Uhr Bus gekommen ist! 🙂

Maut bezahlt, Motor warm – los geht’s!

Mautstelle Kaunertaler Gletscherstraße
Start: Mautstelle Feichten, 1.200 m, 10:35 Uhr

10:35 Uhr. Mautstation Feichten. EUR 21,- für die Gletscherstraße. Das Teuerste was ich heute zahle – abgesehen von 2,54 Litern Sprit für die ganze Tour. Der Tacho zeigt 20.051 km. Ein schönes rundes Kapitel für eine Straße die es verdient.

Ich bin kaum aus Feichten raus, da hält mich schon jemand an. Ein Einheimischer. Freundlich, neugierig, mit dem Blick eines Mannes der weiß, was ein 50cc-Moped ist. Er hätte noch eine Puch Maxi zuhause stehen und ob ich jemanden weiß, der die haben möchte. Mein Rat: putzen, fotografieren, auf Willhaben und eBay reinstellen. Wenn sie noch Papiere hat, ist sie das doppelte wert. Wenn nicht, weiter einlagern und online lassen. Hoffentlich kommt die Maxi in gute Hände!

29 Kehren. 1.550 Höhenmeter. …und mein neues Equipment.

Heute läuft auch das neue Equipment zum ersten Mal richtig. Vier DJI Action 6 Cams, Funkmikrofonie – alles dran, alles an. Klingt nach viel. Ist es auch. Aber wenn ich so ein Projekt starte, dann so, dass ich auch darauf stolz sein kann. Meine größte Sorge war der Ton. Aber das klappt wirklich einwandfrei. Auch die RFID Chips in der Kutte am Zündapp Logo ist noch verbesserungswürdig. Aber es ist gefühlsmäßig ganz gut. Damit kann man arbeiten und Premium Moped Content produzieren. Das ist ein verdammt gutes Gefühl. Technik die funktioniert ist das unsichtbarste der Welt. Und genau so soll es sein!

Gepatsch Staumauer Kaunertal Bergpanorama
153 Meter hoher Erddamm – damals der höchste Europas

Der Gepatschspeicher liegt da unten wie ein türkises Auge. Auch wenn das halb voll extrem hässlich ist. Aber so ist das Anfang Mai nunmal. Ein 153 Meter hoher Erddamm, damals der höchste ganz Europas. Und weiter oben, da wo der Ferner war: Ich erinnere mich noch. Größer. Mächtiger. Eine Wand aus Eis die man nicht einfach ignorieren konnte. Heute ist da leider weniger. Viel weniger! Der Gepatschferner hat allein 2023/24 über 100 Meter verloren – seit 2017 sind es fast 380 Meter. Das sind keine abstrakten Klimazahlen. Das ist ein Stück Berg der einfach weg ist.

Ab der Schneegrenze: Eisschrank auf Rädern

Zündapp am türkisen Gepatschspeicher Kaunertal
Die Bergi und der Gepatschspeicher. Extrem hässlich so halb leer. Ist aber im Mai so.

Irgendwann auf der Auffahrt passiert es. Die Schneegrenze, und ab da ist es schlagartig vorbei mit frühlingshaft! Die Temperatur fällt, der Wind beißt, und man fährt buchstäblich in einen Eisschrank. Logisch, wo sonst Skifahrer ihre Kurven ziehen, hat der Mai noch nichts verloren. Gut, dass die Sonne den ganzen Tag gehalten hat. Bedeckt wäre das eine deutlich ungemütlichere Angelegenheit geworden.

Der Bundespräsident kommt von hier

Alexander van der Bellen ist hier im Kaunertal aufgewachsen. Natürlich nicht als Bundespräsident, aber 1944 als Flüchtlingskind aus Deutschland. Die Volksschule war hier im Tal, die Berge waren sein Spielplatz. 2019 hat ihn Kaunertal zum Ehrenbürger gemacht – als wäre er nie wirklich weggegangen. Hier sind weitere Infos zu VdB.

Onboard Zündapp Kaunertaler Gletscherstraße
Rauf geht’s – Schneeberg voraus
Pistenraupe Kaunertaler Gletscherstraße
Im Mai noch Pistenraupen – der Gletscher kennt keinen Kalender
Zündapp Schneekorridor Galerie
Durch die Schneewände

Man fährt durch diese Stille und denkt sich: Kein Wunder. Wer in so einem Tal groß wird, dem bleibt was hängen. Das sieht man ihm an. Er ist ein guter Präsident. Nicht auszudenken, wenn es das Hinkebein geworden wäre!

Oben. 2.750 Meter. Skifahrer und Staunen.

Zündapp Bergsteiger vor Gepatschspeicher Panorama
Die Bergi und der See – weiter oben wartet der Gletscher

12:03 Uhr. Gletscherrestaurant. 2.750 Meter. Die Luft beißt, der Schnee liegt noch meterhoch, und die Sonne brennt einem trotzdem ins Gesicht als hätte sie die ganze Wintersaison auf diesen Moment gewartet. Skifahrer ziehen ihre Schwünge, Gondeln schwingen, und mittendrin: Die Bergi. 50cc, Zweitakt, blau – einer nach dem anderen bleibt stehen. Schaut. Fragt was das ist. „Balsam auf der Seele!“

Skifahrer Zündapp Kaunertaler Gletscher
Oben am Gletscher – die Bergi sorgt für Gesprächsstoff

The Silent and the Smoker. Ich erkläre es zum dritten Mal an diesem Tag. Die schwächste und die stärkste Maschine die ich je hatte, auf den höchsten Pässen der Alpen. Und zum dritten Mal sehe ich dasselbe: Augen die aufleuchten. Dieses kurze Zögern, dann ein Grinsen. Das Projekt hat was! Das spür ich hier oben auf 2.750 Metern deutlicher als irgendwo sonst.

Manuel Ribis Zündapp Gletscherrestaurant 2750m
Angekommen. Gletscherrestaurant, 2.750 m. 12:03 Uhr.

13:30 Uhr. 29 Kehren wieder bergab. Die Sonne im Rücken, der Gepatschspeicher glitzert und die Bergi läuft wie sie immer läuft. Rund. …wenn man nicht zu blöd ist den Benzinhahn zu öffnen! 😉


Daten & Fakten

Auffahrt
Datum 2. Mai 2026
Start Mautstelle Feichten, 1.200 m | 10:35 Uhr
Ziel Gletscherrestaurant, 2.750 m | 12:03 Uhr
Fahrzeit (rauf) 1 Std. 28 Min.
Höhendifferenz + 1.550 m
Kehren (rauf) 29
Abfahrt
Rückfahrt 13:30 Uhr
Höhendifferenz – 1.550 m
Kehren (runter) 29
Gesamt
Gesamtstrecke 53 km (20.051 → 20.104)
Gesamte Höhenmeter 3.100 hm (1.550 rauf + 1.550 runter)
Gesamte Kehren 58 (29 rauf + 29 runter)
Unterwegs 10:35 – 13:30 Uhr (2 Std. 55 Min.)
Verbrauch gesamt 2,54 Liter (ca. 4,8 l/100 km)
Maut EUR 21,-
Equipment 4x DJI Action Cam + Funkmikrofonie (Ersttest)

Das Video

The Silent and the Smoker – zwei Maschinen, eine Leidenschaft, die höchsten Pässe der Alpen. Abonnieren lohnt sich!