13. Juni 2026. Slowenien. Die Bergi knattert durch einen Wald, der so still ist, dass man das eigene Denken hört. Irgendwo dort oben sind 50 Kehren. Und ein Pass, den man kennen muss.

Der höchste Pass Sloweniens — und kaum einer kennt ihn
1.611 Meter. So hoch ist der Vršič-Pass — der höchste befahrbare Pass Sloweniens. Ausgesprochen ungefähr so wie „Vrschitsch“. Liegt mitten im Nationalpark Triglav, mitten in den Julischen Alpen, mitten in einem der schönsten Flecken, die ich je mit der Bergi angefahren habe.
Ich komme aus dem Ötztal. Bei uns ist das Timmelsjoch mit 2.508 Metern die Messlatte für alles. Auch das Timmelsjoch hat seine dunkle Geschichte — Mussolini ließ ab 1933 von der Südseite eine Militärstraße raufbauen, als Aufmarschroute gegen Österreich. Erst als die Achse Berlin-Rom stand, wurden die Arbeiten eingestellt. Fertig wurde die Durchfahrt erst 1968.
Der Vršič hat das auch — nur noch direkter. Hier haben über 300 Männer ihr Leben gelassen. Für genau dieselbe Straße, auf der ich heute mein Vergnügen suche.
Gebaut von Gefangenen, geblutet von Hunderten
1915 und 1916. Österreich-Ungarn braucht eine Nachschubstraße zur Isonzofront. Die Lösung: über 10.000 russische Kriegsgefangene schleppen Steine auf einen Berg in Slowenien.
Die Bedingungen: Eiseskälte. Hunger. Lawinengefahr. Im März 1916 löst sich ein Schneebrett. Über 300 Männer sterben in Sekunden.
Die Überlebenden bauen ihrer gefallenen Kameraden ein Denkmal. Eine kleine hölzerne orthodoxe Kapelle, geweiht dem Heiligen Wladimir. Sie steht heute noch — knapp unterhalb der Passhöhe, auf der rechten Seite der Straße. Seit 2006 heißt die ganze Passstraße offiziell Ruska cesta — die Russische Straße.
Ich fahre daran vorbei — und halte nicht an. Zu viele Leute. Touristengruppen, Selfie-Sticks, Gedränge. Das ist nicht mein Ding. Die Kapelle ist ein echtes Denkmal, sie verdient Respekt — und Respekt bedeutet für mich: lieber ein anderes Mal, wenn es ruhiger ist. Vielleicht beim nächsten Mal. Der Vršič läuft mir nicht weg.
Kehre 1 von 26. Die Südrampe beginnt!
Start in Trenta. 629 Meter. Das Soča-Tal. Grün, still, unwirklich schön. Die Bergi springt an, ich biege ab, und dann ist es auf einmal ernst.
Die Südrampe: 26 Kehren. Steiler als die Nordseite. Enger. Wilder. Der Wald schließt sich über der Straße, dann öffnet er sich wieder. Felsen. Blauer Himmel. Das Knattern der Bergi hallt von den Wänden zurück. Nicht zu warm, nicht zu kalt. Wetter wie bestellt.
Ich arbeite mich hoch. Kehre für Kehre. Die Bergi läuft.


Shall I give you a push?
Irgendwo in diesem Wald, irgendwo zwischen Kehre und Kehre, taucht einer neben mir auf. Straßenmaschine. Großes Motorrad. Breites Grinsen.
Er fährt neben mir her und freut sich. Sichtlich. Er fragt, ob er ein Foto machen darf. Bis er sein Handy rausgesucht hat, hab ich ihm schon gesagt: „Stellen wir uns kurz an den Straßenrand. Safety first!“
Sein Name ist Florian. Er ist @thegroundedfrenchi auf Instagram. Franzose, irgendwo aus der Gegend vom Genfer See, ehemaliger Flugbegleiter — früher hieß er The Flying Frenchi. Jetzt ist er geerdet. Fährt ein paar Wochen alleine durch die Alpen. Schläft nur im Zelt. Trägt sein gesamtes Leben am Motorrad durch die Berge.
Wir quatschen. Tauschen Kontakte. Irgendwann kommt raus: er hat eine Piaggio Ciao. Und schon ist die Welt erklärt. Jeder hat das selbe Krankheitsbild — es ist nur verschieden weit fortgeschritten. Ich erzähle ihm vom Mopedmarathon und vom Motorradmuseum am Timmelsjoch — wenn er mal in der Gegend ist, zeig ich ihm persönlich rum.
Dann, beim Abschied, sein Angebot: „Shall I give you a push?“
Ich muss kurz lachen. Kehre einlegen. Gas. Die Bergi zieht an — und bis Florian mich eingeholt hat, ist eine gefühlte Ewigkeit vergangen. Soviel langsamer ist ein Moped also auch nicht.
Oben an der Passhöhe angekommen: Florian parkt sein Motorrad, macht ein Foto, wartet noch zwei Minuten auf mich. Ich komme an. Wir lachen. Ein guter Mensch, dieser Frenchi.

Kehre 26. Oben. 1.611 Meter. Geschafft.
Passhöhe. Nationalpark Triglav. Julische Alpen so weit das Auge reicht. Das Passschild. Und noch ein schöner Bonus: Fahrradfahrer oben am Schild — auch sie kämpfen sich hier rauf. Ein kurzes Gespräch, ein gemeinsames Foto, ein Nicken unter Leuten die verstehen warum man einen Berg rauffahren muss.

Die Bergi läuft auf 1.611 Metern Höhe wie ein Uhrwerk — als hätte sie auf diesen Moment gewartet. Kein Stottern, kein Zögern. Einfach rauf. Bravo Bergi.
24 Kehren runter. Die Nordrampe nach Kranjska Gora.
Auf der anderen Seite wartet eine andere Welt.
Die Nordrampe hinunter nach Kranjska Gora. 24 Kehren. Und die ersten Kehren haben noch historisches Kopfsteinpflaster — verlegt von den russischen Gefangenen. Rund, rutschig, unerbittlich. Bei Nässe ein Horrorszenario. Ein absoluter Materialkiller. Heute: trocken, warm, konzentriert runterfahren.
Bergab bedeutet nicht weniger Konzentration. Im Gegenteil. 24 Kehren, teils eng, teils steil, und immer dieser Abgrund der freundlich winkt. Motor bremst mit, Handgelenke bleiben locker.
Kehre 1. Die allerletzte. Ich rolle aus, der Motor knattern lassen sich ein letztes Mal durch den Wald — und dann öffnet sich das Tal. Unten liegt Kranjska Gora, der Jasna-See glänzt in der Sonne. Angekommen.


Kranjska Gora ist übrigens kein unbeschriebenes Blatt. Wer Ski fährt, kennt den Namen — Slalom-Weltcup, einer der klassischen Hänge im Kalender, so wie Gurgl oder Schladming. Und gleich nebenan, in Planica, steht eine der spektakulärsten Anlagen des gesamten Skisports: das Skiflugzentrum. Skiflug-Weltcup. Weiten jenseits von 250 Metern. Eine andere Welt — und trotzdem nur ein paar Kilometer von dieser Bergstraße entfernt.
Alle 50 Kehren geschafft. Kein Abwürgen, kein Schieben, kein Drama. Die Bergi hat jeden einzelnen davon genommen als wäre es ein Spaziergang. Bravo Bergi.
Buzz wartet. Wie immer.
Der ID. Buzz — und mit ihm Alexandra, meine Pilotin für heute. Sie hat den Buzz durch Slowenien gesteuert, während ich die 50 Kehren mit der Bergi genossen habe. Ohne sie wäre das logistisch nicht gegangen. Danke, Alexandra.
Der Buzz hat die 23,4 km und die 1.050 Höhenmeter mit 4% Akku absolviert. Vier Prozent für einen Alpenpass. Auf der Nordrampe runter hat er wahrscheinlich noch etwas zurückrekuperiert — so ehrlich muss man sein. „Hallo Buzz! Danke fürs Warten!“ — das gilt heute für beide.

Die drei Videos zum Vršič-Pass
- 🎬 Video 1 — Vršič Aufstieg: 26 Kehren hoch. Südrampe. Florian.
- 🎬 Video 2 — Vršič Abstieg: 24 Kehren runter. Nordrampe. Kopfsteinpflaster. Kranjska Gora.
- 🎬 Video 3 — People of Vršič: Florian (@thegroundedfrenchi). Die Fahrradfahrer am Gipfel. Die Menschen die diesen Pass verbinden.
Die Zahlen zum Staunen
| Vršič-Pass — 13. Juni 2026 | |
|---|---|
| Passhöhe | 1.611 m (höchster befahrbarer Pass Sloweniens) |
| Start | Trenta, Soča-Tal, 629 m — 13:28 Uhr |
| Ziel | Kranjska Gora (Jasna-See), 810 m — 14:45 Uhr |
| Fahrzeit gesamt | 1h 17min |
| Distanz (GPS) | 23,4 km |
| Höhenunterschied gesamt | +1.050 m / -837 m |
| Kehren rauf (Südrampe) | 26 |
| Kehren runter (Nordrampe) | 24 |
| Kehren gesamt | 50 |
| Top Speed | 63,4 km/h |
| Temperatur | max. 29 °C / Ø 24,9 °C |
| Wetter | Traumhaft. Nicht zu warm, nicht zu kalt. |
| Bergi Kraftstoff (Referenz) | ca. 1,1 L / EUR 1,65 (nicht nachgetankt — Tank war vom letzten Mal voll) |
| Buzz Akkuverbrauch | 4% / ca. 2,1 kWh |
| Buzz Stromkosten (Ionity 0,39 €/kWh) | ca. EUR 0,82 |
| Bergi vs. Buzz — pro 100 kg / 100 km | Bergi 🛵 | Buzz ⚡ |
|---|---|---|
| Energie | 11,9 kWh | 0,84 kWh |
| Kosten | EUR 2,51 | EUR 0,33 |
| CO₂ | 3,26 kg | 0,11 kg |
| 🤓 Pro bewegtem Kilogramm ist der Buzz 14x effizienter, 7,6x günstiger und 30x sauberer. Und trotzdem: das Knattern der Bergi gehört dazu. 💙 | ||
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